Impressionen: Ein Besuch beim Mittagstisch

Über den Kiesweg zum gelben Haus, und die Treppe hinauf in den Essaal: Bereits sind die Tische gedeckt, alles wirkt bunt und hell. Der Mittagstisch des Solidaritätsnetzes, zuerst im CaBi-Antirassismustreff und dann im Restaurant Bierhof untergebracht, hat im Solihaus seinen definitiven Platz gefunden.

In der Küche steht, wie jeden Freitag, Kindai. «Die Küche ist besser als an den anderen Orten, überhaupt ist hier alles gross, sauber und neu», lobt der Koch aus Eritrea. In einer Pfanne brutzelt Hackfleisch, in einer anderen kocht Reis, im Ofen werden Kartoffeln gewärmt. Zuerst gibt es Salat. Es wird sich zeigen: Ein ausgezeichnetes Menu.

Knapp zwanzig Flüchtlinge sind heute an den Mittagstisch gekommen. Einer von ihnen ist Abdou aus Mauretanien, erst neunzehn Jahre alt. Auch er findet, dass das Solihaus schön geworden sei. Jeweils am Freitag hilft er beim Aufdecken, um sich die Bons für das Essen zu verdienen. Am allerwichtigsten ist Abdou die Kommunikation: «Als Flüchtling hat man kaum Kontakte, hier trifft man andere Personen in der gleichen Situation, aber auch freundliche Leute, die einem helfen.» Es sei deshalb auch gut, dass die Integra-Schule gleich nebenan sei. «So findet man alles und alle an einem Ort.»

Den Tibetern Kalsang und Tashi, seit vier Monaten in der Schweiz, gefällt das neue Solihaus ebenfalls. Kalsang betont auch, dass es ihm wichtig sei, andere Leute zu treffen und sich zu unterhalten. «Das einzige, was ich vom Bierhof her vermisse, ist der Billardtisch», meint Tashi. Aber draussen im Garten gebe es dafür einen Pingpongtisch.

Die Lage etwas ausserhalb der Innenstadt, das betonen alle Flüchtlinge, sei kein Problem. Wenn man vom Rheintal her komme, sei es sogar näher hierher, weil man im Bahnhof St.Fiden aussteigen könne.

Nach einer knappen Stunde sind die Teller leer, die Abwaschgruppe macht sich ans Aufräumen. Einige Flüchtlinge setzen sich draussen an die Sonne, die ersten fahren mit den Velos in die Stadt zurück. Das Solihaus scheint tatsächlich mehr zu bieten als bloss einen neuen Platz für den Mittagstisch. Es scheint zu einem Treffpunkt zu werden, einem Ort des Austausches.